15.11.2004
SPD-Bundestagsfraktion - Fraktion vor Ort
Aus meiner Begrüßungsrede zur Fachkonferenz am 15.11.2004 in Zweibrücken "Ganztagsbetreuung - vom Krippenplatz zur Ganztagsschule":
Deutschland ist, was die Kinderbetreuung anbelangt, ein Entwicklungsland. Das Recht auf einen Kindergartenplatz gibt es erst seit einigen Jahren, die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren und für Schulkinder sind - zumindest in den alten Bundesländern - noch immer rar. Dass das ein Problem ist, das nicht nur Eltern betrifft, setzt sich gerade langsam im Bewusstsein durch.
Wenn mehr als ein Drittel aller Akademikerinnen, die heute 35 sind, absehbar kinderlos bleiben wird, ist das ein Umstand, der uns alle betrifft. Kinder kriegen die Leute eben nicht immer, auch wenn Adenauer das vor 50 Jahren noch so gesehen hat. Diese Einschätzung ist viel zu lange in der Politik vertreten worden - mit allen Folgen, die wir kennen: Deutschland liegt bei der Geburtenrate im europäischen Vergleich auf einem der letzten Plätze, Deutschland liegt bei den Betreuungsmöglichkeiten im europäischen Vergleich ganz hinten, Deutschland ist übrigens auch bei der Frauenerwerbstätigkeit nicht gerade führend.
Wenn wir unsere europäischen Nachbarn betrachten, fällt auf, dass in allen Ländern, in denen die Kinderbetreuung von Beginn an sicher gestellt ist, die Kinderzahl höher liegt und auch die Frauenerwerbstätigkeit größer ist als bei uns.
Das ist natürlich ein logischer Zusammenhang und die meisten von Ihnen, die Kinder haben und nicht die glückliche, aber zunehmend seltener werdende Möglichkeit haben, Großeltern zur Kinderbetreuung in Anspruch nehmen zu können, werden das kennen. Wie bekommen wir die Kinder und die Berufe unter einen Hut? Welche Frau wenn sie weiß, dass sie den Anschluss im Beruf dann unwiderruflich verloren hat? Wenn es verschiedene Angebote der Kinderbetreuung gibt, die von der Tageseinzelpflege bei der Tagesmutter oder die Betreuung in der Krippe über den Kindergarten bis zur Ganztagsschule für Schulkinder reichen, wenn Eltern sicher sein können, Kinder und Beruf vereinbaren zu können, weil es zuverlässige und qualitativ hochwertige Möglichkeiten der Kinderbetreuung gibt, kann die Entscheidung für Kinder leichter getroffen werden.






